Hospiz & Palliative Care ≠ Sterben

- Palliative Care steigert die Lebensqualität durch Symptomkontrolle, psychosoziale Unterstützung und eine patientenzentrierte Begleitung
- Frühzeitige Palliative Begleitung kann mitunter zu einem längerem Überleben führen, ohne die Lebenszeit auf Kosten von Wohlbefinden und Würde zu verkürzen
- Hospiz- und Palliative Care ist ein Lebens- und Unterstützungsmodell, welches Menschen mit schwerer Krankheit helfen kann, aktiv und selbstbestimmt zu leben – und nicht nur zu sterben
Hospiz und Palliative Care werden in der Öffentlichkeit oft mit dem Lebensende gleichgesetzt. Diese Perspektive greift jedoch zu kurz und widerspricht sowohl aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen als auch dem ursprünglichen Selbstverständnis der Palliativmedizin.
Hospiz & Palliative Care ist ein ganzheitlicher multiprofessioneller Ansatz, der Menschen mit schweren, lebensbegrenzenden Erkrankungen frühzeitig begleitet. Er zielt darauf ab, Lebensqualität zu fördern, belastende Symptome zu lindern und die Würde des Menschen im gesamten Krankheits- und Lebensverlauf zu wahren. Dies bedeutet: Leben mit einer schweren Erkrankung zu ermöglichen — nicht „nur“ Sterben zu begleiten.
Wissenschaftliche Belege – Hospiz & Palliative Care verbessern Lebensqualität und Lebensdauer
Zahlreiche Studien belegen, dass palliative Versorgung die gesundheitsbezogene Lebensqualität signifikant verbessert. In klinischen Studien an Menschen mit fortgeschrittener Erkrankung — etwa bei metastasiertem Lungenkrebs — führte die frühzeitige Integration von Palliative Care zu deutlich besseren Ergebnissen in der Lebensqualität sowie zu einer besseren psychischen Anpassung und weniger depressiven Symptomen im Vergleich zur üblichen Versorgung. Darüber hinaus zeigte sich in denselben Studien, dass Patient*innen, die palliative Begleitung erhielten, im Median länger lebten, trotz geringerer Intensität aggressiver Behandlungen zum Lebensende und besserer Symptomkontrolle.
Auch systematische Übersichtsarbeiten zeigen, dass Palliative Care die Symptombelastung reduzieren, die Zufriedenheit mit der Versorgung erhöhen und die Chancen verbessern kann, dass Menschen an ihrem bevorzugten Ort verbleiben können.
Hospiz & Palliative Care als ganzheitlicher Ansatz ist mehr als Schmerztherapie
Die Palliative Care geht über reine Schmerztherapie hinaus. Sie berücksichtigt den Menschen in seiner physischen, psychosozialen und spirituellen Dimension — ein Konzept, das Cicely Saunders bereits in den 1960er-Jahren unter dem Begriff der „total pain“ formulierte, der körperliches Leiden, emotionale Belastungen, soziale Beziehungen und existenzielle Fragen umfasst.
Cicely Saunders, Gründerin des ersten modernen Hospizes, brachte die Haltung auf den Punkt mit einer Aussage, die bis heute richtungsweisend ist:
„You matter because you are you, and you matter to the end of your life. We will do all we can not only to help you die peacefully, but also to live until you die.“
Dieses Zitat bringt die Essenz von Hospiz- und Palliative Care zum Ausdruck: Es geht nicht ausschließlich um das Sterben, sondern darum, jedem Menschen ein möglichst erfülltes Leben zu ermöglichen — bis zuletzt.