Ehrenamtlich engagieren
Der Einstieg in die ehrenamtliche Hospizbegleitung ist für viele Menschen der Beginn einer intensiven und bereichernden persönlichen Erfahrung. Die bewusste Begegnung mit Menschen in existenziellen Lebenssituationen schärft den Blick für das Wesentliche – für Präsenz, für Nähe und für die Bedeutung gemeinsamer Momente. Ehrenamtliche Hospizbegleitung ist ein verantwortungsvolles Engagement, das auf besondere Weise Sinn stiftet.
Der Landesverband Hospiz Niederösterreich lädt Interessierte herzlich ein, Teil der Hospizbewegung in Niederösterreich zu werden. Für die Ausbildung zur ehrenamtlichen Hospizbegleitung sind keine medizinischen oder pflegerischen Vorkenntnisse erforderlich. Wichtig sind Offenheit, Empathie und die Bereitschaft, sich auf Menschen und ihre Lebensgeschichten einzulassen.
Abhängig von der Zeit, die Sie einbringen können, vermittelt die Hospizteamkoordination eine passende Begleitung.
DIE TÄTIGKEIT ALS HOSPIZBEGLEITER*IN
Was sind Hospizbegleiter*innen?
Hospizbegleiter*innen sind ehrenamtlich tätige Personen, die schwerkranke, lebensverkürzend und/oder lebendbedrohend erkrankte und sterbende Menschen sowie deren Angehörige begleiten. Sie ergänzen die medizinische, pflegerische, soziale und psychische (multiprofessionelle) Fachversorgung durch Zeit, Gespräche, Präsenz und psychosoziale Unterstützung im Alltag.
Welche Aufgaben übernehmen Hospizbegleiter*innen?
Hospizbegleiter*innen begleiten schwerkranke, lebensverkürzend und/oder lebendbedrohend erkrankte und sterbende Menschen sowie deren Angehörige. Sie schenken Zeit, hören zu, führen Gespräche und unterstützen im Alltag. Ihre Aufgabe ist es nicht, medizinische oder pflegerische Tätigkeiten zu übernehmen, sondern präsent zu sein, eine Begegnung von Mensch zu Mensch zu ermöglichen und dadurch Lebensqualität zu fördern.
Wo sind Hospizbegleiter*innen tätig?
Die Begleitung erfolgt sowohl im häuslichen Umfeld als auch in stationären Einrichtungen. Hospizbegleiter*innen sind Teil von Hospizteams (ein Team aus ehrenamtlich tätigen Hospizbegleiter*innen koordiniert von einer hauptberuflich tätigen Hospizteamkoordinatorin) und arbeiten eng mit anderen Versorgungsangeboten der Hospiz- und Palliativversorgung zusammen. Derzeit gibt es in Niederösterreich 37 Hospizteams für Erwachsene und 4 Kinderhospizteams (HoKi NÖ).
Wie viele Hospizbegleiter*innen gibt es in Niederösterreich?
In Niederösterreich sind rund 800 ehrenamtliche Hospizbegleiter*innen im Rahmen der Hospiz- und Palliativversorgung tätig. Rund 50 Hospizbegleiter*innen sind davon in Kinderhospizteams tätig.
DER WEG IN DIE HOSPIZBEGLEITUNG
Wie werde ich ehrenamtliche Hospizbegleiter*in?
Ehrenamtliche Hospizbegleiter*innen in Österreich werden nach einem österreichweit anerkannten Curriculum von HOSPIZ ÖSTERREICH ausgebildet. Der Befähigungskurs umfasst mindestens 80 Unterrichtseinheiten sowie 40 Stunden Praktikum und ist Voraussetzung für die ehrenamtliche Begleitung von erwachsenen Menschen. Personen, die Interesse an einer Ausbildung haben, wenden sich an jene Organisationen in ihrem Bundesland, die Befähigungskurse anbieten.
Für Niederösterreich findest du hier mehr Informationen sowie das Kontaktformular.
Worum geht es in der Ausbildung zur Hospizbegleitung?
Im Mittelpunkt der Ausbildung steht die Vermittlung einer Haltung. Das wichtigste Instrument in der Begleitung ist die Hospizbegleiter*in selbst. Inhalte der Ausbildung sind unter anderem die Auseinandersetzung mit Leben, Sterben, Tod und Trauer sowie die Kommunikation mit schwerkranken und sterbenden Menschen und deren An- und Zugehörigen.
Wie kann man Kinderhospizbegleiter*in werden?
Ehrenamtliche Hospizbegleiter*innen können sich über einen zusätzlichen Aufbaukurs zur Kinder-, Jugend- und jungen Erwachsenen-Hospizbegleitung qualifizieren. Der Aufbaukurs umfasst 40 Unterrichtseinheiten sowie 40 Stunden Praktikum und vertieft die Kompetenzen für die Begleitung von Kindern, Jugendlichen und deren Familien.
Ist der Befähigungskurs für jede ehrenamtliche Tätigkeit im Hospizbereich verpflichtend?
Der Befähigungskurs ist Voraussetzung für alle, die Menschen direkt begleiten möchten. Für ehrenamtliches Engagement in anderen Bereichen, wie etwa Fundraising, Beratung oder Mithilfe bei Veranstaltungen, wird der Kurs empfohlen, ist jedoch keine zwingende Voraussetzung.
Warum entscheiden sich Menschen für die Hospizbegleitung?
Viele Hospizbegleiter*innen erleben ihre Tätigkeit als sinnstiftend. Sie ermöglichen Nähe, Zeit und Momente mit Bedeutung, oft sind es kleine Gesten, die eine große Wirkung haben. Genau darin liegt die besondere Qualität dieser Aufgabe. Manche bringen auch selbst schon Berührungspunkte mit dem Thema Hospizarbeit mit.
PERSÖNLICHE VORAUSSETZUNGEN
Bin ich stark genug für die Hospizbegleitung?
Stärke bedeutet in der Hospizbegleitung nicht, alles aushalten zu müssen oder keine Emotionen zu zeigen. Es geht darum, präsent zu sein, zuzuhören und Nähe zuzulassen. Die Ausbildung legt bewusst den Fokus auf Haltung und Selbstreflexion, niemand wird allein gelassen oder unvorbereitet in die Begleitung geschickt.
Was, wenn mich ein Abschied zu sehr belastet?
Hospizbegleiter*innen sind eingebunden in feste Strukturen und Teams. Austausch, Reflexionsgespräche, Supervision und Begleitung gehören zur Hospizarbeit dazu. Niemand trägt Erfahrungen allein, und Belastungen dürfen angesprochen werden.
Muss ich immer die richtigen Worte finden?
Nein. Oft braucht es keine Worte, sondern Präsenz. Zuhören, Dasein und gemeinsames Schweigen können genauso wertvoll sein wie ein Gespräch. Die Ausbildung vermittelt, dass Begleitung nicht von perfekten Formulierungen lebt, sondern von Echtheit.
Darf ich lachen, wenn es ernst ist?
Ja. Hospizarbeit lässt Trauer zu, ist aber nicht darauf reduziert. Lachen, Erinnern und kleine Alltagsmomente haben ihren Platz und können für Betroffene genauso wichtig sein wie stille Momente. Kleine Momente dürfen groß sein.
Muss ich eigene Erfahrungen mit Krankheit oder Tod mitbringen?
Nein. Eigene Erfahrungen sind keine Voraussetzung. Entscheidend sind Offenheit, Empathie und die Bereitschaft, sich mit den Themen Leben, Sterben und Trauer auseinanderzusetzen.
Was, wenn ich an meine eigenen Grenzen komme?
Grenzen wahrzunehmen ist Teil verantwortungsvoller Hospizarbeit. Hospizbegleiter*innen handeln nicht allein, sondern im Rahmen klarer Strukturen. Unterstützung zu holen und Pausen einzulegen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Achtsamkeit.
DIE ORGANISATION HINTER DER HOSPIZBEGLEITUNG
Wer organisiert Ausbildung und Begleitung von Hospizbegleiter*innen?
Der Landesverband Hospiz NÖ unterstützt die Hospizteams bei der Rekrutierung, Qualifizierung, Fortbildung und Begleitung von ehrenamtlichen Hospizbegleiter*innen. Zudem führt er ein Ehrenamtsregister für die ehrenamtliche Hospizbegleitung in Niederösterreich.